Rückblick – Afrika Festival Münster 2018

„Sprache der Macht – Macht der Sprache“

Das Afrika Festival Münster fand dieses Jahr vom 7. bis 17. Juni statt. Eröffnet wurde es traditionell in der Brücke („Das Internationale Zentrum der Uni Münster“) am Donnerstag, 7. Juni. Trotz hochkarätiger Gäste war der Eintritt, wie gewohnt, frei.

Neben Bürgermeisterin Vilhjalmsson, die eine Begrüßungsrede hielt, waren als ReferentInnen eingeladen: Dr. Ari Awagana von der Uni Leipzig, Dr. Ishraga Mustafa Hamid aus Wien, Melanie David M.A. von der Uni Münster und Dr. Rémi Tchokothe von der Uni Bayreuth als Moderator.
Die ReferentInnen hielten leidenschaftliche Impulsvorträge, die sich intensiv um das diesjährige Festival-Thema „Sprache der Macht – Macht der Sprache“ drehten. Die darauffolgende Podiumsdiskussion befasste sich dann besonders mit der Frage, ob und wie es afrikanischen Gesellschaften gelingen kann, sich von den nach wie vor in vielen Bildungs- und Staatswesen dominanten Kolonialsprachen zu befreien. Beim anschließenden afrikanischen Büffet mit Reis, Couscous und vielfältigen Beilagen konnten die zahlreich erschienenen BesucherInnen die Themen weiter diskutieren.

Der Abend wurde professionell dokumentiert von Emeka Bob-Anyeji (Slam Base), dessen Fotoausstellung „Ijé – Journey – Reise“ parallel eröffnet wurde. Ebenfalls im Rahmen des Festivals feierte die Kinderbuch-Ausstellung „Afrika ist bunt“  Eröffnung. Zusammen mit Checkpoint Afrika e.V. wurde am Mittwoch zudem der senegalesische Filmklassiker „Xala“ in der Brücke angeboten.
Auch am Wochenende bot das Festival vielfältiges Programm: einen kostenlosen Workshop und Vortrag von Dr. Ari Awagana zur Bedeutung der Sprache Hausa in Gesellschaft und Literatur; eine nahezu ausverkaufte Aufführung des Tete Adehyemma Dance Theatre  aus Ghana im Kreativhaus; eine Tanzshow und Benefizkonzert für Afro-Peru mit Gerardo Rosales y Afro Candela aus Venezuela im Salsomania und in Kooperation mit dem Cinema den Dokumentarfilm „Global Family“, der vom Schicksal einer somalischen Familie erzählt.

Die neue Woche wurde eingeleitet mit einem Expertenvortrag zu Simbabwe und Südafrika, wo Lutz van Dijk und Christoph Marx zur Frage referierten, wie es nach dem Umbruch in Simbabwe seit Ende 2017 und vor den Wahlen 2019 in Südafrika weitergehen könnte.
Am Mittwoch folgte dann der inzwischen im Programm des Afrika Festivals etablierte Poetry Slam, der 2018 von Slam Base organisiert wurde: Die Macht der Sprache konnte hier live erlebt werden, was sowohl junges als auch älteres Publikum in die Brücke lockte.

Donnerstag und Freitag standen dann wieder ganz im Zeichen von „Decolonising the Mind“, eine Essay-Sammlung von Ngũgĩ wa Thiong'o, die 2017 von der Afrika Kooperative und Stimmen Afrikas unter dem Titel „Dekolonisierung des Denkens“ auf Deutsch herausgegeben wurde. Der mittlerweile 80-jährige Ngũgĩ wa  Thiong'o selbst war zu Gast und begeisterte wie zuletzt 2015 das Münsteraner Publikum mit seinem kreativen Schaffen, seiner Lebenserfahrung, seinen Ideen und seinem unermüdlichen Einsatz für Muttersprachen weltweit.

Der musikalische Teil des Festivals fand diesmal komplett im Rathausinnenhof statt. Ob die Trommelgruppen Kpanlogo oder Kunta Kinte, die Musiker Serge Ananou oder Patcho, die  Kinderband Hiltruper Sternfarben oder Jeannot Akono & Friends: Sie alle sorgten für gute Stimmung unter freiem Himmel, bei sommerlichem Wetter, umgeben von zahlreichen Essens- und Warenständen des Afrika-Markts, beklatscht und gefeiert von gut gelaunten und tanzenden BesucherInnen. Im Anschluss an das Konzert von Mamadou Diabaté wurde bei der African Dance Night im Salsomania weitergefeiert.

Bericht: Lisa Sophie Keller (26. Juni 2018)

Bildnachweis: Emeka Bob-Anyeji (Slam Base)